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Entstehung von "STANDING GROUND"

Ein Hummer, der nicht weicht

Hallo liebe Kunstfreunde,

 

diesmal geht es um STANDING GROUND, die erste Fassung meines Hummermotivs aus der WILD SKETCHES Serie.

 

Das Bild entstand ursprünglich als Auftragsarbeit für ein Ferienhaus in der Normandie. Hummer und Normandie, da denkt man natürlich schnell an Meer, Küste, Urlaub und gutes Essen. Genau das war für mich aber auch die Falle. Ich wollte keinen Hummer malen, der einfach nur maritim wirkt oder wie ein schönes Motiv neben der Küche hängt. Der Hummer sollte nicht appetitlich aussehen. Er sollte zurückschauen. Oder besser gesagt: stehen bleiben.

 

In der WILD SKETCHES Serie beschäftige ich mich mit Tieren, die einen zweiten Blick verdienen. Manche wirken gefährlich, hässlich, eklig oder unheimlich. Andere werden so stark auf ihre Nutzbarkeit oder Essbarkeit reduziert, dass man fast vergisst, dass sie faszinierende Lebewesen sind. Der Hummer gehört für mich genau in diese zweite Kategorie. Er ist kein Monster. Aber er ist auch kein Menüpunkt.

 

Warum ein Hummer?

Hummer haben für mich etwas Ritterliches. Sie tragen ihre Rüstung außen. Ihr Skelett liegt nicht im Körper verborgen, sondern wird als harter Panzer sichtbar. Dazu kommen die großen Scheren, die langen Antennen und diese fast mechanische Körperform. Eine Mischung aus Tier, Werkzeug und kleiner Kampfmaschine aus dem Meer.

 

Was mich besonders interessiert hat, ist der Widerspruch zwischen Schutz und Verletzlichkeit. Hummer wachsen ihr Leben lang. Das klingt erstmal fast wie eine Superkraft. Man liest sogar öfter, Hummer seien theoretisch unsterblich. Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Sie können durch Krankheit, Fressfeinde, Fang oder auch durch die Häutung sterben. Aber ihre Art zu wachsen ist beeindruckend: Um größer zu werden, müssen sie ihren alten Panzer abwerfen.

 

Und genau da wird es spannend. Der Panzer schützt den Hummer. Aber wenn er wachsen will, wird dieser Schutz zu eng. Er muss ihn loswerden und ist danach eine Zeit lang weich und verletzlich, bis der neue Panzer aushärtet.

 

Das ist für mich ein starkes Bild. Auch menschlich. Wir alle bauen uns Schutzpanzer. Aus Erfahrung, Unsicherheit, Verletzung, Stolz oder Angst vor Bewertung. Manchmal hilft dieser Panzer. Manchmal hält er uns auf. Wachstum beginnt oft genau dort, wo der alte Schutz nicht mehr passt.

 

Der Titel: STANDING GROUND

Der Titel STANDING GROUND spielt für mich mit dem Gedanken, seinen Platz zu behaupten. Nicht zurückweichen. Nicht kleiner werden. Nicht sofort verschwinden, nur weil jemand oder etwas vor einem steht.

 

Auf dem Bild wirkt der Hummer geduckt und gleichzeitig wehrhaft. Er liegt nicht einfach dekorativ auf der Fläche. Er nimmt Raum ein. Die Scheren sind präsent, die Antennen ziehen sich wie gespannte Linien durch das Bild, der Körper sitzt schwer auf dem Grund.

 

Für mich steckt im Titel aber nicht nur Stärke. Es geht auch um den Preis von Stärke. Der Hummer steht da, gepanzert und wachsam. Gleichzeitig erzählt seine Biologie davon, dass echter Wachstum manchmal nur möglich ist, wenn man den alten Schutz verliert.

 

Das ist kein gemütliches „harte Schale, weicher Kern“-Bild. Es ist eher: harte Schale, weil es manchmal nicht anders geht.

 

Technik und Farbwahl

Der Hintergrund ist ein dunkles Petrolgrün. Ich wollte kein klassisches Meeresblau und auch kein gekochtes Hummerrot. Dieses Grün liegt für mich irgendwo zwischen tiefem Wasser, Algen, Panzerreflex und Meeresboden. Es wirkt ruhiger und schwerer als die spätere zweite Fassung STANDING GROUND II.

 

Die Linien habe ich mit schwarzen und weißen Acrylmarkern gesetzt. Schwarz gibt dem Hummer Gewicht, Schatten und Panzer. Weiß bringt Licht, Reflexe und Bewegung hinein. Ich wollte, dass das Bild wie eine große, schnelle Skizze wirkt, aber trotzdem genug Körper und Präsenz hat.

 

Gerade die Antennen waren für mich wichtig. Sie machen den Hummer empfindlich und raumgreifend zugleich. Er tastet seine Umgebung ab. Vielleicht auch uns.

 

Rückkehr ins Atelier

Nach der Fertigstellung kam STANDING GROUND wegen feiner Oberflächenspuren im Farbauftrag wieder in mein Atelier zurück. Ich vermute eine Art Spannungsriss in der Farbe. Natürlich ist so etwas erstmal ärgerlich. Man malt ein Werk, gibt es ab und denkt: fertig. Und dann kommt es zurück.

 

Aber manchmal passen solche Umwege seltsam gut zum Bild.

 

Ein Werk mit dem Titel STANDING GROUND trägt nun selbst eine Spur und steht trotzdem weiter da. Nicht makellos, aber nicht gebrochen. Das Bild bleibt die erste Fassung dieses Hummermotivs und ist für mich weiterhin ein eigenständiges Werk.

 

Später entstand zuerst CLOSED, BUT NEVER EMPTY, mein Austernbild als ruhigeres Gegenstück. Danach folgte STANDING GROUND II, die neue Hummerfassung für die Privatsammlung in der Normandie.

 

Update: Wieder verfügbar

STANDING GROUND ist durch seine Rückkehr in mein Atelier nun wieder verfügbar.

 

Das Werk wird als Original aus meiner WILD SKETCHES Serie angeboten, allerdings mit klarem Zustandshinweis. Im grünen Hintergrundbereich befinden sich feine, haarlinienartige Oberflächenspuren im Farbauftrag. Sie sind vor allem aus der Nähe und bei seitlichem Licht sichtbar. Die zentrale Bildwirkung bleibt erhalten.

 

Ich verkaufe es als Atelierstück mit Zustandshinweis. Der Preis wurde entsprechend reduziert. Die vollständigen technischen Details, den Preis und weitere Ansichten findest du auf der Shopseite zum Werk.

 

Für mich erzählt das Werk heute sogar mehr als ursprünglich geplant: von Panzer, Schutz, Wachstum, Rückkehr und der Frage, wie viel Stärke auch in einer sichtbaren Spur liegen kann.

 

STANDING GROUND steht wieder da.

Nicht makellos. Aber mit Haltung.

 

Euer

Martin Lingens


Werkansicht – STANDING GROUND

STANDING GROUND – Hummer, 60×60 cm (2025), Acryl auf Leinwand und Acrylmarker; petrolgrüner Hintergrund.
STANDING GROUND (2025) – Hummer, 60 × 60 cm, Acryl auf Leinwand und Acrylmarker · Serie: WILD SKETCHES · Atelierstück mit Zustandshinweis · Im Shop ansehen

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